Oh meine Brüder und mitleidenden Droogs des Rasen-Kosmos – Waldstadion Arzell!! Nicht bloß ein Stadion, nicht bloß ein Ground. Nein! Ein
Horrorshow-Tempel der fußballerischen Erleuchtung, hoch oben über den malenky Bauernlanden Osthessens, wo der Wind durch die Wiesen flüstert und jeder morsche Balken leise „Tradition“ ins
Firmament knarzt. Exakt zehn Godman-Jahre nach meinem Erst-Viddy machte sich euer durch Rabot und Provinzexistenz gezeichneter Droog & Leader erneut auf den spirituellen Aufstieg. Kein
Spaziergang. Eine Pilgerfahrt! Und dann: der erste Glazz. Oh Christus der Aschebahn. Die Tribüne – sechs von Holzwürmern zerfressene Sitzreihen. Ein Bauwerk von solcher grotesken Schönheit, dass
mein Gulliver kurz vergaß, wie Denken funktioniert. Mein Spine in Ehrfurcht, die Bodyhärchen stramm. All die veckigen Demütigungen des Rabot-Alltags? Weg. Mailverkehr? Verpulvert. Fehltritte? Im
grün-weißen Nebel verschwunden. Denn in diesen neunzig Minuten wusste euer instabiler Droog: Es gibt nichts schöneres als einen 10.-Liga-Kick mit maximalem Tollschock. Und was für einem! Drei
Elfmeter. Drei gelb-rote Kartotschkas. Geschrei. Schubsereien. Männer, die sich in Mundart auf Distanz todwünschten. Trainer mit dem Blick von Droogs, die seit 1987 keinen ruhigen Stuhlgang mehr
hatten. Rentner mit Taktiken aus dem Dreißigjährigen Krieg. Feinste semi-ultraviolente Dorfoper. Zwei Malchick-Horden droschen den Ball durchs Raum-Zeit-Kontinuum, während euer Droog
pflichtbewusst seine Prozessionsrunden ums Terrain drehte. Dann das Finale: Die Gäste gewinnen. Mit drei Mann weniger. An diesem Punkt verließ mein Geist kurz meinen Körper. Als der Abpfiff kam,
war ich kein Mensch mehr. Nur noch ein emotional entkernter Fleischapparat in Schuhen. Also taumelte euer ruinierter Droog in Richtung Abendverkehr. Ich kam als Mensch. Ich ging als zerfressene
Sitzreihe eines ehrwürdigen Stadions inmitten der osthessischen Provinz.